Allein Chania, zweitgrößte Stadt Kretas, ist eine Reise wert. Die Flanierzone rund um den Venezianischen Hafen und die schmalen Gassen in der Altstadt versprühen in der Vorsaison ihren Charme. Wir übernachten in idealer Fahrradentfernung auf einem Campingplatz in der Nähe eines von vielen stadtnahen Stränden, dem Sunset-beach:

























In der Nähe Chanias befindet sich ein Botanischer Garten, vorrangig mit exotischen Obstbäumen und Sträuchern, 2004 auf einer nach einem Großbrand zerstörten terrassierten Olivenbaumplantage errichtet… Mich haben da vor allem die Insekten interessiert, u.a. eine wahrlich Riesenhummel mit stahlblauen Flügeln und ein zwar etwas lädierter aber dennoch eindrucksvoller Schaukelflug-Segler Schwalbenschwanz-Schmetterling:
Auf dem Weg von Chania nach Paleochora
Die Bergfahrt von Chania nach Paleochora ist zwar wunderschön, aber man wird mehrfach mit deutschen Kriegsverbrechen aus dem zweiten Weltkrieg konfrontiert. Mehrere Dörfer hat die Wehrmacht als Vergeltung für Partisanenangriffe komplett zerstört und jeweils die gesamte Dorfbevölkerung umgebracht….auch nach 80 Jahren empfinde ich Scham für dieses Vorgehen im Sinne „Großdeutschlands“. Die Inschriften sprechen für sich. Deutschland hat wohl (laut Reiseführer) niemals angemessene Wiedergutmachung geleistet. Die Aktion Sühnezeichen hat allerdings in den 60iger Jahren in Kandanos ein Wasserwerk gebaut…..







Wir wohnen ja in der Spargelstadt Beelitz und schwören auf unseren örtlichen Spargel, aber wir machen einmal eine Ausnahme. Griechischer Spargel, regional und nicht importiert!:

Paleochora an der Südküste war definitiv auch einen Besuch wert:




Die Strände an der Westküste Falassana und Elafonisi sind um diese Zeit noch nicht überlaufen. In Elafonisi watet man durch flaches Wasser, um zu einem weiteren Dünenstrand zu kommen…sehr einladend, allerdings sind wir ganz froh, hier nicht bei 40 Grad im Schatten über den Sand zu laufen…











Zurück an der Nordküste, bei Rethymnon:





… noch einmal die alten Minoer: Archäologisches Museum in Chania und der Palast von Knossos bei Heraklion:















Im Mühlental bei Rethymnon sind u.a. die Ruinen von bis zu 30 alten Wassermühlen aus venezianischer Zeit zu entdecken
Sechs Tage hatten wir unsere Tochter Marlene zu Besuch und haben mit ihr den Westen Kretas erkundet. Nach ihrer Verabschiedung wollen auch wir die Insel verlassen. Ein letzter Besuch gilt dem Kloster Arkadi. Jedes kretische Schulkind kennt die tragischen Ereignisse aus dem Jahre 1866, die sich mit diesem Kloster verbinden. Die Kreter befinden sich im Widerstand gegen die Herrschaft der Osmanen.
Zweihundert Jahre zuvor war Kreta vollständig von den Türken erobert worden. Das Läuten von Kirchenglocken wurde auf ganz Kreta verboten. Das Kloster Arkadi wurde geplündert. Die Mönche von Arkadi konnten mit Geschenken beim osmanischen Pascha Sonderrechte erwirken und ihr Kloster wieder aufbauen. Nachdem 1830 einem Teil des jetzigen Griechenlands die Unabhängigkeit zugesprochen worden war (Kreta offiziell erst 1913, de facto seit 1897!), verstärkte sich auf Kreta der Widerstand gegen die Besatzungsmacht.
1866 wurde im Kloster Arkadi ein Revolutionskomitee gegründet, Vorsitzender wurde der Abt von Arkadi. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Die Organisation eines Widerstandskampfes blieb natürlich nicht unbemerkt. In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1866 griff ein osmanisches Heer von 15.000 Mann das Kloster an, in dem sich 964 Menschen, darunter gerade einmal 325 Kämpfer, befinden. Nach zwei Tagen des aussichtslosen Kampfes beschlossen die bis dahin Überlebenden, dem Gegner nicht lebend in die Hände fallen zu wollen und zogen sich, einschließlich Frauen und Kinder, in das Pulvermagazin zurück, dass von einem Kämpfer gesprengt wurde. Bei der heftigen Explosion kamen bis auf ein überlebendes Mädchen alle darin befindlichen Personen einschließlich dutzender eindringender türkischer Soldaten ums Leben…..
Eine Gedenktafel vor Ort am ehemaligen Pulvermagazin erinnert an die Ereignisse: „Diese Flamme, die in dieser Krypta entfacht wurde und das ruhmreiche Kreta von einem Ende zum anderen erleuchtete, war eine Flamme Gottes, in der die Kreter für die Freiheit verbrannten.“









Auf Wiedersehen Kreta!
„Kreta ist ein Land im dunkelwogendem Meere, fruchtbar und anmutsvoll und ringsumflossen. Es wohnen dort unzählige Menschen, und ihrer Städte sind neunzig: Völker von mancherlei Stamm und mancherlei Sprachen. Es wohnen dort Achaier, Kydonen und eingeborene Kreter, Dorier, welche sich dreifach verteilet, und edle Pelasger.“
Odyssee, Neunzehnter Gesang ( 172-177)

Was uns auf unserer Reise gute Dienste leistet:
die app „google Übersetzer“: Einfach die Worte, die übersetzt werden sollen, fotografieren, und schon hat man den deutschen Text, ideal für Gedenktafeln im Kloster Arkadi, Speisekarten etc. …





















