Am südlichsten Punkt Europas, Südwestkreta

Anfang April 2023. Wir reisen weiter entlang der Südküste Kretas Richtung Westen. Überall eine enorme Freundlichkeit bei den Menschen. Vielleicht liegt es an der Vorsaison, jedenfalls egal ob Campingplatzbetreiber, Verkäuferinnen in den Supermärkten, wir kommen schnell in ein interessiertes Gespräch. Alle Tavernen, die wir besuchen, sind familiengeführt, alle arbeiten mit, die Babies werden abwechselnd von Mama, Oma oder Opa neben der Arbeit betreut…einige unserer Stationen sind: Ierapetra, Bramian-Stausee, Myrtos, Sarafina Schlucht, Tsoutsouros Bay, Matala, Kommos Beach, Kapetaniana ( Kofinas ), Agia Galini, Spili, Chora Sfakion, Imbros-Schlucht.

Landschaftlich ist nicht zu übersehen, dass das Land völlig mit Ziegen und Schafen überweidet wird, blühende Berghänge werden im Vergleich zu Ostkreta seltener, dafür wird es gen Westen immer grüner und es kommen in den Tälern immer mehr Bäume hinzu. Weiterhin ideales Reisewetter, auch wenn uns einmal, am Kommos Beach, direkt am Wasser stehend, die halbe Nacht so peitschender Wind mit Regen entgegenkam, dass wir frühmorgens um sechs die Sachen gepackt haben und ins Landesinnere geflüchtet sind….gleich im nächsten Ort gab es schon ein geöffnetes Frühstückscafe´….

Kapetaniana ist eines der Bergdörfer, die nie von den Türken eingenommen worden sind. Es ist mittlerweile durch eine gefestigte Strasse erschlossen und hat sich durch ein Eco-Village Unternehmen fein herausgeputzt:

Von Agia Galini aus wollen wir mit einer kleinen Fähre inkl. unseres Autos auf die Insel Gavdos… die Fähre nach Gavdos ( ganzjährig nur ca. 60 Einwohner!) verbindet gleichzeitig mehrere vom Strassenverkehr noch abgeschnittene Ortschaften an der Südwestküste Kretas. Allein die Einschiffung ist bereits ein Abenteuer. Erst fahren jede Menge Lastwagen und vollgeladene Pick-up-Geländewagen auf die Fähre… und entladen ihre Fracht….danach fahren sie wieder herunter und die gebuchten Autos dürfen aufs Schiff….wir bekommen jeweils den allerletzten Platz im hintersten Winkel des Schiffes zugewiesen…im Rückwärtsgang… und mit gefühlt 3 cm Luft zwischen den beiden hochgeklappten Seitenspiegeln… um uns herum zum Trocknen aufgehängte Wäsche, eine Waschmaschine und … ein riesiger Vorrat an Raki!

Auf der Insel gibt es einen wunderbaren hiking-trail zum südlichsten Punkt der Insel, und damit Europas. Dort findet sich neben einer einsamen Bucht ein überdimensionierter Stuhl als weithin sichtbares Zeichen. Freier Blick auf das Libysche Meer bis nach Nordafrika (260 km) ! Es weht ein rauher Wind am Südende Europas. Aber das ist ja allenthalben bekannt.

Bei der Rückfahrt kommen wir im Hafen von Gavdos mit einer Italienerin ins Gespräch, die seit Jahren auf Gavdos lebt und im Sommer die Badegäste mit Massagen verwöhnt…hier kennt jeder jeden ! Hier auf der Insel ist -jedenfalls außerhalb der Saison – Entschleunigung unmittelbar greifbar. Bei Ankunft der Fähren versammeln sich die Inselbewohner am Hafen, natürlich ist auch der einzige Dorfpolizist ( mit Hund) dabei!

Für die alten Minoer war die Insel wohl noch Holzlieferant. Spätestens mit dem Römerreich und damit einhergehender Ausbeutung hat ein Verkarstungsprozeß eingesetzt, der bis heute anhält. Verglichen mit weiten Teilen Kretas gibt es aber erstaunlich viele Bäume (erst wieder seit 150 Jahren) und insgesamt viel Grün auf der Insel. Nach einer verbreiteten Vorstellung handelt es sich bei Gavdos um die mythische Insel Ogygia, auf der die „schongelockte“ Meernymphe Kalypso den schiffbrüchigen Odysseus – aus Liebe – für sieben Jahre festhielt…das wäre für einen heutigen Aufenthalt auf der kleinen Insel ganz schön lange! Odysseus wollte jedenfalls trotz angebotener Unsterblichkeit und ewiger Jugend doch lieber zu seiner Penelope zurück…Vor Gavdos soll außerdem der Apostel Paulus auf seiner Reise nach Rom beinahe Schiffbruch erlitten haben…also die Insel hätte beinahe die Weltgeschichte verändert.

Zurück an der Südküste starten wir eine weitere „Kletterung“, durch die Imbros-Schlucht

4 Antworten zu Am südlichsten Punkt Europas, Südwestkreta

  1. Avatar von Unbekannt
    Anonymous sagt:

    Lieber Axel, liebe Bettina ,
    weiterhin viel Freude auf eurer tollen Reise – wir brechen nun auch in vier Tagen auf!

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  2. Avatar von andreasknothetonlinede
    andreasknothetonlinede sagt:

    Lieber Axel, liebe Bettina, danke für die tollen Eindrücke auch dank der wunderbaren Fotos.

    Freue mich Euch ein wenig hinterher reisen zu können. Weiterhin eine gute Zeit wünsche ich Euch.

    Viele Grüße

    Dixi

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    • Avatar von Axel
      Axel sagt:
      Verfasser

      Lieber Dixi, danke fürs Feed back, wir sind noch gut dabei, mittlerweile wieder auf dem griechischen Festland…..

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