Prolog
Wir setzen unseren Reiseblog auch nach dem Ende unseres sabbatical in unregelmäßigen Abständen fort….Während unserer Tasmanian-Reise im Dezember war zu wenig Zeit für einen begleitenden blog….ist halt doch ein gewaltiger Unterscheid, ob man sich 6 Monate tatsächlich „auf Reisen“ oder knapp drei Wochen in einem „Urlaub“ befindet. Hinzu kam der Umstand, dass wir uns naturgemäß auch sehr stark auf unsere Tochter Jule konzentriert haben…nach so langer Zeit! Deshalb gibt es nur einige kleine Beiträge im Nachgang unserer Rundreise nach Tasmanian…
Reisebericht
Was für ein Gefühl, die eigene Tochter nach fast einem Jahr Abwesenheit wieder in den Arm nehmen zu können. Auch noch so moderne Technik wie skypen etc. kann das nicht ersetzen. Es ist der 3. Dezember 2016, 9 Uhr 30 Ortszeit Hobart, Tasmanien. Uns steckt ein ultralanger Flug in den Knochen. Aber keine Zeit für lange Begrüßungsrituale. Gleich in der Flughafen-Empfangshalle erwartet uns der tasmanische Teufel……
Werden wir ihn zu Gesicht bekommen ? Dazu später mehr ! Jules Gastmutter ist so freundlich, uns zum Depot für unseren kleinen Campervan zu fahren. Wir nehmen einen Toyota Hiace Campervan mit ausgebauten Dach ( Höhe 2,80 m) in Empfang und los geht’s. Zwei einhalb Wochen Tasmanien warten auf uns. Natürlich muss uns Jule zunächst ihre highlights in Hobart zeigen. Wir besuchen Jules zuhause in Kingston, einem Vorort von Hobart und packen unseren Campervan…wir sehen Jules Schule, das Hobart College, Jules Lieblingscafe in der City von Hobart und wir besuchen, da es gerade Samstag ist, den berühmten Salamanca Market in der Stadt, mit viel Kunsthandwerk, Musik und leckerem Essen aus aller Welt, auch „german bratwurst“ ist vertreten…


Todmüde fallen wir abends erstmals in unserem Campervan in den Schlaf, wir suchen uns dafür südlich Hobart in Snug einen lauschigen Campingplatz.

Auch einen Besuch des Hobart-Museums lassen wir uns trotz sommerlichen Wetters nicht entgegen, u.a. eine Gelegenheit, sich ausführlich über die tragische Geschichte des tasmanischen Tigers zu informieren. Das letzte bekannte Exemplar ist 1937 im Zoo von Hobart gestorben. Danach soll es noch einmal Spuren von ihm gegeben haben und bis heute halten sich die Gerüchte, dass es in den Weiten der tasmanischen Wildnisgebiete noch lebende Tiere geben könnte…eher aus Marketing-Gründen als aus realistischen Erwägungen heraus…Die Rinderzüchter gingen fälschlicherweise davon aus, dass er ihre Rinder gefährden würde und der Staat hat über Jahre Abschussprämien bezahlt…
Die ersten Reisetage gehen in den Süden Tasmaniens. Für einige Tage nehmen wir Marion, Jules Gastschwester aus Lausanne in der Schweiz mit auf unsere Tour. Wir besuchen den Tahune airwalk und sehen erstmals bis zu 70 Meter hohe Eukalyptus-Bäume.



Auf einem herrlichen Campground in Geeveston, lege ich mich erstmals – erfolglos – auf die Lauer, um ein Platypus ( Schnabeltier ) zu entdecken.
Wir besuchen das Bonorong Wildlife Sanctuary, eine kommerziell sehr gut aufgezogene Tierauffangstation, die sehr viel für das Überleben des tasmanischen Teufel tut.



Im Mt. Field-Nationalpark absolvieren wir den Russels-Falls Nature walk.
Nächste Ziele sind der Besuch von Bruny – Island mit einer interessanten Speedbootstour entlang der Steilküste im Osten der Insel. Wir besuchen zwei Seelöwen–Kolonien mit großen Australischen Seelöwen und – kleineren – neuseeländischen Seelöwen und bekommen einen kleinen Eindruck von der rauhen See im Gebiet der roaring forties. Tasmanien liegt zwischen dem 40. und 42.Breitengrad und gehört zu den wenigen Landmassen im Gebiet der „roaring forties“. Weiter südlich kommt nur noch irgendwann die Antarktis.




Ein Muss für jeden Tasmanien-Besuch ist ein Besuch der historischen Stätten in Port Arthur, einer ehemaligen Sträflingskolonie ( 1833 – 1875 ) für Strafgefangene aus dem gesamten britischen commonwealth ) Die Fluchtversuche waren zahlreich, die wenigsten waren erfolgreich. Die Verantwortlichen haben sich über Jahre hinweg besonders bei der Weiterentwicklung der Isolationshaft hervorgetan. Anstelle von Schlägen mit der neunschwänzigen Katze kamen Einzelzellen in Mode, in denen die Delinquenten über lange Zeiträume 23 Stunden in einer schalldichten Einzelzelle verbrachten, bei anschließend einer Stunde Hofgang unter strengstem Verbot zu sprechen….


Wir folgen weiter der Ostküste mit einem Tagesbesuch von Maria-Island, seit geraumer Zeit ein Nationalpark ohne dauerhafte menschliche Bewohner, dafür umso mehr Wombats, Forester-Kängurus, Bennet-Wallabies und kleine Pademelons…. Leider bekamen wir tagsüber keinen devil zu Gesicht, die hierhin ausgewildert wurden. Die Insel fungiert quasi als Schutzraum für die fast landesweit von einem qualvollen Gesichtskrebs befallenen Tiere. An die zweihundert Tiere haben sich mittlerweile auf der Insel etabliert, bisher ohne Krankheitsbefall. Die sich seit 1996 rapide ausgebreitete Krankheit soll in der überwiegenden Mehrheit ihrer Lebensräume auf Tasmanien bis zu 90 Prozent der Wildpopulation dahingerafft haben… Erst seit wenigen Monaten gibt es „good news“. Erste untersuchte Tiere haben sich inzwischen als resistent erwiesen. Es gibt wieder Hoffnung für den nur noch auf Tasmanien vorkommenden kleinen Teufel. Die kleinen nachtaktiven Beutel-Raubtiere ernähren sich vielfach von Aas und sind im großen und ganzen vollkommen friedlich. Nur beim Fressen können sie sehr ungemütlich werden und stoßen – entsprechend ihrer Lebensweise nachts! – furchterregende Laute aus. Zu ihrem Namen beigetragen haben auch ihre bei Erregung feuerrot werdenden Ohren…





Die Ostküste ist noch lange nicht ausgereizt. Die Highlights reißen nicht ab . In Bicheno schlagen wir für zwei Nächte unser Quartier auf. Dort kommen die uns von einem Neuseeland-Aufenthalt bekannten kleinen blauen Pinguine nach einem Tag auf dem Ozean in der Abenddämmerung an die Küste, um ihre Bruthöhlen mit ihrem Nachwuchs aufzusuchen. Ganz leise und vorsichtig schleichen sie sich in kleinen Gruppen die Küstenfelsen entlang….was für ein lautstarkes Begrüßungsgeschnatter dagegen, wenn die Alttiere zielsicher ihre Höhlen dann schließlich wiedergefunden haben. Sie überqueren selbst Strassen, um sie aufzusuchen….
In jedem Werbeprospekt über Tasmanien gibt es ein Bild von der sog. „Wineglass-Bay“, einer Bucht, geformt wie ein Weinglass. Wir starten hier zu einem mehrstündigen Marsch. Als Strand hat uns im übrigen der auf der anderen Seite der Halbinsel gelegene Hazards beach besser gefallen..,





Ziemlich weit im Nordosten findet sich ein viele Kilometer langer Küstenabschnitt, genannt „Bay of Fires“. Die Meinungen darüber, woher dieser Küstenabschnitt seinen Namen bekommen hat, gehen auseinander . Die einen sehen die feuerroten mit Algen-flechten besetzten Steine als Grund. Die anderen sagen, dass der europäische Entdecker Abel Tasman in dieser Bucht eine ganze Reihe von Lagerfeuern der Eingeborenen vom Meer aus gesichtet hat und danach die Bucht bezeichnet hat…



Die Geschichte der ursprünglichen Tasmanier, die über 35 000 Jahre die Insel besiedelt haben, ist eine besonders traurige. Keine hundert Jahre nach der ersten Besiedlung durch Europäer waren sie ausgerottet, zum Teil befördert durch unsägliche offizielle Freigaben zum „Abschuss“ bei „Gebietsübertretungen“ auf Farmland der Europäer….Die politisch korrekte Lesart ist, dass eine gewisse Truganini als letzte richtige Tasmanierin gegen Ende des 19.Jahrhunderts gestorben ist. Allein ihre Lebensgeschichte ist eine eigene Erzählung wert. Tatsächlich leben heute noch an die 5000 Personen in Tasmanien, die sich selbst noch als Nachfahren der ursprünglichen Tasmanier sehen…. Vielleicht will man Landrückforderungen auch heute noch keine unnötige Nahrung geben ? Mangels seetüchtiger Boote waren die Tasmanier übrigens seit über achttausend Jahren vom australischen Festland vollständig isoliert…die Bass-Straße zwischen dem Mainland und Tasmanien ist über 200 km breit !
An der Nordküste Tasmaniens besuchen wir den Narawntapu Nationalpark mit großen offenen Weideflächen mit vielen großen und kleinen Kängurus .








In der zweitgrößten Stadt Tasmaniens, Launceston, bereiten wir uns auf einen weiteren Höhepunkt unserer Reise vor: wir besuchen für eine größere Tagestour den Cradle- Mountain-Nationalpark und danach eines der letzten zusammenhängenden Gebiete mit noch „unberührtem ( sprich noch nicht von Holzfällern besuchten ) „ gemäßigten Regenwald der südlichen Hemisphäre, den Tarkine Forest. Bis auf einen relativ kleinen Teil des sog. Savage River Nationalparks hat dieses letzte verbliebene große mit alten Bäumen bestandene Waldgebiet noch nicht einmal einen naturschutzrechtlichen Schutzstatus. Bis vor ungefähr zwanig Jahren noch nicht einmal einen richtigen Namen ( Nordwest-Wald. ) Erst langsam ist dieser Wald in das Bewußtsein der Naturschützer vorgedrungen. Er heißt jetzt der Tarkine-Rainforest und ist aktuell Gegenstand großer Debatten in ganz Australien zwischen der Forstwirtschaft/Holzindustrie und den Umweltverbänden hinsichtlich seines Erhaltes. Erschwerend kommt hinzu, dass jede Menge Mineralien in diesem Gebiet vermutet werden…


Grund für diese späte „Entdeckung“ war wohl auch ein Gebiet südlich des Tarkine, seit 1982 Weltnaturerbegebiet „Tasmanische Wildnis“, das im Zuge der ersten großen Auseinandersetzung zwischen Umweltschützern und dem Bundes-Staat Tasmanien Ende der siebziger /achtziger Jahre um den Bau eines großen Staudamms am Gordon River, die Aufmerksamkeit vom nördlichen Tarkine Region abgelenkt hat. Wir machen von Strahan aus eine Schiffstour bis in den Gordon River hinauf und stellen fest, alle großen Bäume insbesondere die berühmten Huon-Pines ( unglaublich langsam wachsendes, nicht verottendes Holz, der Baum kann über 2500 Jahre alt werden, ideales Holz für den Schiffbau….) sind längst abgeholzt. Es sieht zwar alles sehr grün aus, und es ist wirklich schön diesen Fluß aufwärts zu fahren…aber wie kann es sein, dass dieses Gebiet als World Heritage Site gelistet ist und den Tarkine, im übrigen längs der Küste mit den am besten erhaltenen Relikten der jahrtausende alten Tasmanier-Kultur ausgestattet, hat der australische Staat noch nicht einmal angemeldet!!!!
Der Grund ist wie letztlich wohl in vielen Fällen ein politischer: Nördlich des Tarkine , an der Nordküste Tasmaniens, gibt es eine Reihe von Dörfern bzw. Kleinstädten von wenigen tausend Einwohnern, die als die „swinging votes cities“ bezeichnet werden. Erstaunlich gute Straßen führen durch das selbst für tasmanische Verhältnisse nur gering bevölkerte Gebiet. Aber, und das ist wohl entscheidend: Keine politische Partei kann sich sicher sein, hier von den häufig das Zünglein an der Waage spielenden ländlichen Bevölkerung gewählt zu werden. Diese Menschen haben mit Naturschutz wenig am Hut. Sie wollen weiterhin uneingeschränkte Freiheit genießen, an der rauhen Westküste mit ihren Geländewagen die Pisten entlang zu brettern. Jegliche Nutzungseinschränkungen lehnen sie ab. Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder ? Entsprechend traut sich jedenfalls keine Partei, dieses einmalige Gebiet des Tarkine auch nur vorzuschlagen für eine Listung auf der World Heritage Site list. Das scheint bisher auch immer bis zur nationalen Ebene in Canberra durchzuschlagen. So muss der Tarkine mit seinen viele Jahrhunderte alten Eukalyptus und Myrtle-Südbuchen weiterhin als State forest reserve darauf hoffen, nicht doch in den nächsten Jahren als Nutzholz-Reserve genutzt zu werden..chinesische oder auch japanische Firmen warten wahrscheinlich nur darauf…

Egal, wir genießen jedenfalls drei Nächte in einem Zeltcamp und nicht allzu schweren Tagesmärschen durch dieses herrliche Waldgebiet. Für uns der absolute Höhepunkt unserer Tasmanien Rundreise.

Von ebenso großer Schönheit ist die Gebirgsregion des Cradle Mountain National Park. Wir verbringen hier einen alpinen Wandertag bei herrlichstem Wetter.
























Von Strahan aus geht es durch die „Tasmanische Wildnis“ zurück in zwei Etappen zurück nach Hobart. Noch einmal diverse Abschiedsrunden für unsere Juliane, während wir uns ein letztes Mal im freundlichen Hobart umsehen. Dann ist unsere erste und sicherlich nicht letzte Australien-Tour auch schon zu Ende. Drei ihrer Freundinnen kommen extra zum Flughafen, um Juliane gebührend zu verabschieden. Nach einer langen Flugreise erreichen wir einen Tag vor Heiligabend wieder heimatliche Gefilde. Am Flughafen Berlin-Tegel warten Marlene und Freundinnen von Jule auf uns. Nach knapp 1 ½ Jahren ist unsere Familie erstmals wieder komplett!


Lieber Axel,
wenn Du weiter so viele schöne Bilder versendest, verlierst Du noch Kollegen und Mitarbeiter… Man kann ja nur Fernweh bekommen!
Gerne sollten wir uns noch mal ernsthaft über Frühjahr 2018 Botswana / Zimbabwe unterhalten und ausloten ob es eine realistische Chance für uns ist…
viele Grüße
Andreas
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