8.-14. Juli 2016
Nach unserem Abstecher in das Hochland von Island (siehe Ein Ausflug in das Hochland) kommen wir auf dem Weg in das nächste Schwimmbad am Museumshof Glaumbaer vorbei: Kaffeepause zum Aufwärmen! Das zum Museumshof gehörende Café ist früher das Wohnhaus von Sigurlaug Gunnarsdottir ( 1828 – 1905 ) gewesen.


Diese fortschrittliche Frau hat 1869 den ersten Frauenverein Islands gegründet, war Direktorin einer der ersten Mädchen-Schulen in Island ab 1877… erste Schritte auf dem Weg Islands bis zur weltweit ersten frei gewählten Präsidentin Vigdís Finnbogadóttir 1980. Im Heimatmuseum von Akureyri wird zur Zeit eine Ausstellung über die erste Präsidentin Islands gezeigt, die uns allerdings nicht überzeugt hat. Die halbe Ausstellung besteht in der Präsentation der von der ehemals höchsten Repräsentantin Islands in ihrer 16-(!) jährigen Amtszeit getragenen Kostüme und Schuhe!

Diese Bauweise war bis etwa um 1900 aufgrund der Holzknappheit in Island in ländlichen Gebieten üblich. Es war aber nicht möglich große Gebäude in Torfrasenbauweise zu errichten. Deshalb bestanden die alten isländischen Bauernhöfe aus mehreren kleinen Gebäuden, die durch Korridore miteinander verbunden waren. Die gut isolierenden Eigenschaften des Torfrasens führten dazu, dass der Arbeits- und Schlafraum der in Wolle gekleideten Menschen nur durch die Körperwärme „beheizt“ wurde. Diese „Bettstube“ war auch gleichzeitig Speiseraum. Während der langen Winterabende gingen die Menschen ihren Handarbeitstätigkeiten im Schein kleiner Öllampen nach und es wurden aus den isländischen Sagas vorgelesen oder Gedichte rezitiert. Es gab halbberufliche „Vorleser“, die von Hof zu Hof gingen. Die mündliche Überlieferung der Sagas spielt auch heute noch in Island eine sehr große Rolle. Der Glauben an Elfen und Trolle ist noch verbreitet. Die Menschen in Island mussten früher auf beengtem Raum leben. Immerhin: Die gute, von Bakterien weitgehend freie Luft in Island verhindert weitgehend Körpergeruch. Der einzig anerkannte Bereich der Privatsphäre war unter dem Kopfkissen. Niemand durfte unter das Kopfkissen eines anderen sehen.




Nach einem weiteren Aufwärmen im Schwimmbad von Hofsos mit grandiosem Blick über den Fjord, fahren wir weiter den Skagerfjördur entlang bis nach Siglufjördur. Das Durchfahren eines einspurigen (!) Tunnels ist ein besonderes Erlebnis! Unser Zielort für eine Übernachtung war früher eines der wichtigsten Zentren der Heringsindustrie. 1969 brachen dann die Heringsbestände durch Überfischung endgültig zusammen, erst in neuerer Zeit haben sich die Bestände wieder erholt. Die Geschichte des Herings wird äußerst anschaulich im hiesigen preisgekrönten Heringsmuseum präsentiert, ein wunderbarer Ort, um einen verregneten Vormittag zu verbringen. In Siglufjördur kann man heute sehr schöne Cafes, Restaurants und eine Bäckerei finden. Vom Glanz alter Zeiten, in denen tausende von Seeleuten aus aller Herren Länder durch die Stadt flanierten, ist dagegen nichts mehr zu spüren. Im Museum hängen Fotos noch aus den 20iger und 30iger Jahren, mit Hunderten großer Schiffe, die im Hafen lagen und Tausenden von Fässern am Ufer, in denen gesalzene Heringe, Fischmehl und Fischöl transportiert wurden…. alles Geschichte! Jetzt wirkt der Ort, umgeben von außergewöhnlich hohen Bergen, ein wenig verschlafen. Apropos hohe Berge. Soweit wir das durch den Regendunst erkennen können, liegt oben auf den Bergen überall frischer Schnee. Sommer in Island!




Am nächsten Tag geht es durch weitere Tunnel unserem nächsten Ziel entgegen, immer in der Hoffnung, dass nach dem nächsten Tunnel die Sonne wieder einmal zum Vorschein kommen möge…..Akureyri tut uns den Gefallen und empfängt uns mit Sonnenschein. Das macht einem die Stadt gleich besonders sympathisch, zumal wir ein äußerst gemütliches Cafe finden mit einem für isländische Verhältnisse preisgünstigen Lunchbufett. Wir besuchen den Botanischen Garten, ein Kleinod mit richtigen, großen Bäumen! Wir flanieren durch gemütliche Straßen mit herrlichen alten Villen aus den 1920-30iger Jahren und lernen im Nonnihaus den 1944 in Köln gestorbenen isländischen Schriftsteller Jon Sveinsson alias „Nonni“ kennen, der die meisten seiner Bücher auf deutsch geschrieben hat und mit Kinderbüchern („Nonni und Manni“), die u.a. seine Kindheitserlebnisse aus Akureyri zum Inhalt haben, seinerzeit weltbekannt geworden ist.

Botanischer Garten Akureyri












Wir folgen der Ringstrasse weiter bis zum Myvatn ( „Mückensee“). Hier soll es bis zu 50 verschiedene Mückenarten geben…kältebedingt bekommen wir keine einzige zu Gesicht bzw. zu spüren! Auf einem herrlich direkt am Seeufer gelegenen Campingplatz treffen wir Klara, Tochter guter Freunde von uns, die gerade mit dem Fahrrad eine Umrundung Islands in Angriff genommen hat.

Mit unserer „Leihtochter“ unternehmen wir eine Tagestour mit dem Auto, die uns über das Solvataren-Gebiet bei Myvatn und den Dettifoss bis nach Asbyrgi führt, eine von hohen Felwänden umgebende und damit besonders geschützte grüne Oase mit buschartigen Birkenwäldern und einer dichten Bodenvegetation. Ein besonderer Ort. So eine liebliche Landschaft haben wir auf unserer Rundtour durch Island nirgendwo sonst gesehen. Auf einer längeren Fußtour tauchen wir ganz tief in diese Landschaft ein.














Abschließend umfahren wir die Halbinsel Tjörnes und kehren über Husavik wieder nach Myvatn auf unseren Campingplatz zurück. Leider wurde unsere Hoffnung, entlang der Küste von Land aus Wale zu sehen, enttäuscht.

Nach der langen Tagestour gönnen wir uns noch am späten Abend alle drei eine Runde Entspannung im „Myvatn Nature Bath“, ein riesiger Swimming pool mit grandioser Sicht auf den Myvatn…soweit der wolkenverhangene regnerische Himmel eine Sicht erlaubt!




Nach Verabschiedung von Klara am nächsten Tag starten wir eine Umrundung des Myvatn, besteigen und umrunden den Vulkankrater Hverfell und bestaunen die wunderlichsten Lava-Aufblähungen bei Dimmuborgir.








Für uns brechen die letzten Tage in Island an. Wir fahren auf der Ringstrasse (mit einem kleinen Umweg über die gut zu fahrende und landschaftlich reizvolle gravel road 901 und dem am höchsten gelegenen Bauernhof Islands) zu unserem Ausgangspunkt Seydisfjördur. Auf den letzten Kilometern fahren wir dieselbe Strecke, die „Walter Mitty“ im Film auf einem longboard zurücklegt. Abends beleben wir intensiv das „Nachtleben“ von Seydisfjördur. In der Stadt ist viel los vor der Ankunft der großen Fähre! Am nächsten Tag satteln wir zum letzten Mal unsere Moutainbikes und fahren fast bis zum Eingang des Seydisfjords. Der folgende Tag findet uns in einer langen Warteschlange vor dem Einschiffen „in“ die MS Norrona

Mödrudalur an der 901 – höchstgelegener Bauernhof Islands


Auf Wiedersehen Island !
