Zurück in Pretoria

Pretoria, 15.-21. Mai 2016

Die letzten Tage in Südafrika verbringen wir wieder in Gauteng (Region Pretoria/ Johannesburg). Wir besuchen das nationale kulturhistorische Museum und das Art Museum. Die Union Buildings, das alte Machtzentrum der Apartheidszeit und nach wie vor Parlamentssitz des heutigen Südafrika, wird heute von einer 6m hohen Nelson Mandela Statue im Vordergrund des Gebäudeensembles überstrahlt.

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Lichtgestalt Nelson Mandela mit „Heiligenschein“vor den Union Buildings
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ein Häuptling der Tshwane vor dem Rathaus in Pretoria ( umbenannt in Tshwane!)
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Nationales kulturhistorisches Museum Pretoria, Musikinstrumente der San. Die Ursachen und Gründe für den Untergang der San werden klar benannt.

Überhaupt setzt die Regenbogennation nach wie vor auf die nachwirkende Kraft des 2013 gestorbenen Friedensnobelpreisträgers. Auch in Johannesburg, wo wir uns einen ganzen Tag aufhalten, sind Statuen Mandelas oder Zitate aus seinen Reden an vielen Stellen zu finden. In Joburg besuchen wir den Ortsteil Sandton mit ultramodernen Shopping Zentren ( und einem Mandela Square und einer Mandela Statue ! ) , im Zentrum Joburgs nehmen wir den Fahrstuhl auf das höchste Gebäude Afrikas ( 50 Etagen ) besichtigen den „constitution hill“. Dort befinden sich in einem ursprünglichen befestigten Fort ein Untersuchungsgefängnis und Gerichtsgebäude mit einer äußerst wechelhaften Geschichte: Zunächst hielten die Buren dort Engländer gefangen, dann haben die Engländer dort Buren interniert. Schließlich haben dort schwarze Aktivisten gegen das Apartheid-Regime auf ihren Prozeß gewartet. Es ist der Ort, wo Mandela 1964 vor seiner Verurteilung seine – aufgezeichnete – berühmte Rede gehalten hat ( „Für die Ideale, für die ich kämpfe, bin ich bereit zu sterben „ ).

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Vor dem Gerichtsgebäude auf dem „constitution hill“, in dem Mandela 1964 verurteilt wurde
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die Untersuchungsgefangenen waren beim Hofgang an diese schweren Betonquader gekettet!
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constitution hill, Blick auf das Zentrum Johannesburgs
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constitution hill mit einem alten Wachhäuschen, mitten in Johannesburg

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Wir besuchen natürlich Soweto (southwesttownship) und die Vilakazi Street, die einzige Strasse der Welt, in der gleich zwei Friedensnobelpreisträger gewohnt haben ( Mandela und Erzbischof Desmond Tutu ). Letzter verbringt seinen Lebensabend in der Nähe von Kapstadt. Ersterer hat sein Wohnhaus aus dem Jahre 1945, dass er nach seiner Freilassung 1990 nur noch 11 Tage bewohnt hat, zu einem Museum umbauen lassen, das man besichtigen kann. Eine der berühmtesten Adressen der Welt: 8115 Vilakazi Street, Orlando-West, Soweto.

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Nebenbei sehen wir noch das mit 95.000 Plätzen größte Fußballstadion Afrikas und fahren an Millionärsvillen vorbei… alles in Soweto ! Soweto war schon zu Apartheid-Zeiten ein Gebiet mit über einer Million Menschen, dass auf keiner offiziellen Karte verzeichnet war. Schon damals wurden einige Straßen asphaltiert…allerdings nur um den gepanzerten Polizeiwagen des Regimes den Weg zu ebnen. Winnie Mandela war in ihrem Haus auch nach der Verhaftung Nelson Mandelas 1962 enormen Repressalien ausgesetzt. Polizisten haben vom Auto aus das Haus der Mandelas beschossen. Um sich und ihre Kinder zu schützen, hat Winnie Mandela mitten im Haus eine weitere Steinwand bauen lassen, hinter der sie sich mit ihren Kindern bei Beschuss in Sicherheit bringen konnte….

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Nelson Mandela beim Verbrennen seines Passes vor seinem Haus 1960. Auch hierfür ging Mandela ins Gefängnis.
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Mandela Haus 8115 Vilakazi Street, Orlando West, Soweto. Vor der Eröffnung als Museum wurde es leider renoviert und umgebaut.

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Sehr eindrucksvoll ist das ebenfalls nur wenige hundert Meter entfernte 2002 eröffnete Hector Petersen Museum. Hector Petersen war zwölf und einer von über hundert Opfern der Schülerdemonstationen 1976, die von der Polizei erschossen wurden. Die Schüler haben damals gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache protestiert. Afrikaans galt als Sprache der Unterdrücker und war die zweite Fremdsprache nach Englisch, die die Schüler verinnerlichen sollten, um dem Unterricht folgen zu können. Diese Regierungsentscheidung hat völliges Chaos verursacht. Selbst die meisten (schwarzen) Lehrer konnten kein Afrikaans. Auch die entsprechenden Lehrbücher fehlten. Übrigens bekamen zu dieser Zeit weiße Kinder ihre Schulbücher vom Staat gestellt. Die Eltern der schwarzen Kinder mussten die Schulbücher für ihre Kinder bezahlen !! Hector Petersen wurde vor allem deshalb zum Symbol für den Widerstand, weil es von dem sterbenden Jungen ein Foto gibt, dass damals um die Welt ging. Es zeigt einen älteren Schüler, der den Sterbenden in seinen Armen trägt in Begleitung der 17-jährigen Schwester von Hector. Die Erschütterung und der Schock der Schüler spiegeln sich in ihren Gesichtern wider. Der 17-jährige Schüler, der Hector getragen hat, hat anschließend Südafrika in Richtung Nigeria verlassen. Seine Eltern haben ihn nie wiedergesehen !

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Hector Petersen Museum
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rush hour zwischen Johannesburg und Pretoria

Gut eine Stunde verbringen wir im Apartheids-Museum von Johannesburg. Es hätte auch ein halber Tag sein können. Man lernt sehr viel über die Geschichte des Widerstandes und kann sich auch die Rechtfertigungsreden der damaligen Apartheidspolitiker anhören…..Letztlich haben 1990 wohl der enorme Sanktionsdruck aus dem Ausland und die nicht mehr beherrschbaren Verhaftungswellen gegenüber Aktivisten und Mitläufern der vielen Widerstandsorganisationen dazu geführt, dass der damalige Regierungschef de Clerk in seiner Rede 1990 im Parlament die bedingungslose Freilassung Mandelas und die sofortige Aufhebung des Verbots von über 30 Organisationen verkündete….

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zwei (!) Eingänge in das Apartheid Museum
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im CCMA Haus (Sitz der unabhängigen „Commission for Conciliation, Mediation and Arbitration“, CCMA ) bekommt man kostenlose anwaltliche Unterstützung bei arbeitsrechtlichen Problemen, es kommt sogar ggf. ein Richter ins Haus und – im Unterschied zum deutschen Recht – kann der z.B. auch eine konkrete Abfindungssumme durch Urteil festlegen

 

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Zwei ehemalige Kraftwerkskühltürme in Soweto, jetzt für Bungee-Sprünge genutzt
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95.000 Sitzplätze im größten Fußballstadion Afrikas, Soweto.

 

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Mandela Statue am Mandela Square, Sandton

Ein Tagesausflug führt uns in ein 47.000 ha großes Gebiet namens „Cradle of Humankind“, die UNESCO-Welterbestätte „Wiege der Menschheit“. In diesem relativ kleinen Gebiet befinden sich allein mehr als 12 „fossil sites“ mit zehntausenden von Artefakten ausgestorbener und noch existierender Tierarten ebenso wie einige spektakuläre Funde von unseren Hominiden-Vorfahren. Möglich gemacht hat dies u.a. Millionen Jahre altes Dolomiten-Gestein, das bei Regen brüchig werden kann und jede Menge Höhlen geschaffen hat. Natürliche „eingebrochene“ Höhleneingänge haben so über Jahrtausende bzw. Millionen Jahre als Knochensammelstelle gedient, sei es durch unfreiwillige Abstürze oder durch die Nutzung der Höhlen durch Hyänen, Leoparden, Säbelzahnkatzen etc. über die Jahrtausende, deren Essensreste ( Knochen ) man jetzt aus dem Gestein schälen kann…

Neben der Olduvai-Schlucht in der ostafrikanischen Grabensenke und wenigen anderen Fundstätten in Ostafrika ist „Cradle of Humankind“ eine der wichtigsten Fundorte von Überresten von Hominiden in Afrika und beherbergt eine der reichsten Fossilienfunde von Tierarten weltweit.

Wir besichtigen die Sterkfontain-Höhle, Fundort sowohl der berühmten 2,3 Millionen Jahre alten „Mrs. Ples“ aus dem Jahr 1947, einem gut erhaltenen Schädel eines Australopithecus africanus sowie von „little foot“ 1997, dem vollständigsten Australopithecus Skelett, das jemals in Südafrika gefunden wurde, wahrscheinlich 3,5 Millionen Jahre alt. Wir sehen hoch über uns einige natürliche Höhleneingänge und schauen unwillkürlich nach unten auf dem Boden nach Überresten abgestürzter Tiere….auch Little Foot ist möglicherweise vor 3,5 Millionen seiner Unachtsamkeit bei einer Wanderung zum Opfer gefallen…

Überdies vermittelt ein groß aufgemachtes Visitor Centre „Maropeng“ ( „zurück zum Ursprung“ ) mit einer spannenden Bootsfahrt durch die Erdgeschichte und einem äußerst ansprechendem Museum den derzeitigen Stand der Erkenntnisse über die Anfänge der Menschheitsgeschichte auch für ein breites Publikum.

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Der Chef des Entdecker-Teams von 1947, Prof. Bloom mit „seiner“ Mrs. Ples
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Unser heutiger guide, der uns die Magie der Höhle mit sehr viel Humor näherbrachte

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ein Arbeitslabor auf dem Präsentierteller, die Wissenschaftler wollen sich nicht verstecken. Die professionelle Bergung des „little foot“ hat mehrere Jahre gedauert!

 

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die Entstehung der Welt, eine gut animierte Bootsfahrt im Maropeng  Besucherzentrum
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unser letzter Abend in Südafrika, Besuch des Fort Klapperkopp Hill mit unserer Tochter zum Sonnenuntergang über Pretoria

 

 

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