Wir starten einen Spaziergang durch die Geschichte der Extremadura mit einem Zeitsprung ins Jahr 2500 v.Chr…..Hochzeit der Megalith- Kultur. Auch im Gebiet der Extremadura legen unsere Vorfahren beeindruckende Dolmen ( Steingräber ) an, hier unmittelbar an der Grenze zum heutigen Portugal.




Die Römer kommen gegen 200 v.Chr. in dieses Gebiet und kämpfen gegen die Lusitanier. Der Widerstand gegen die Römer wird gut 50 Jahre später gebrochen. Schließlich wird 25 v. Chr. Emerita Augusta gegründet, das heutige Merida. Kaiser Augustus siedelt hier seine altgedienten ( „emeritierten“ ) Soldaten an und versorgt sie mit Latifundien. Die Römer bauen auch hier Strassen, die bis heute in der Landschaft sichtbar sind, z.B. auch im Nationalpark Monfrague. Bis heute läuft eine Variante des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela über Teile dieser alten Via de la Plata – Handelsstrasse der Römer. Dieses hier abgebildete römische Strassenstück befindet sich in Merida:

Die Brücke über den Fluss in Merida haben auch schon die Römer gebaut. Es soll die angeblich längste Brücke sein, die die Römer überhaupt gebaut haben. Heutzutage sind 60 Bögen (die kleinen Zwischenbögen werden mitgezählt!) auf 721 m Länge zu sehen:


Merida wird die Hauptstadt von Lusitania, der westlichsten römischen Provinz….Zeit für Kultur und Handel. Die Beziehungen reichen auch bis nach Köln.

Zur Vollständigkeit einer römischen Provinzhauptstadt gehört ein richtiges Theater:

Wichtiger noch, weil beim Volk beliebter, auch ein Amphitheater für Gladiatoren- und Tierkämpfe :

Eine Fingerpuppe für römische Kinder:

Diese Kopie einer berühmten Skulptur haben die Römer allerdings erst in der Jetztzeit der Stadt Merida gestiftet:

Es gibt ein schönes modernes Museum für das römische Erbe Meridas:

….aber dann kommen die Vandalen und die Westgoten und mit ihnen das Christentum. Im 4.Jhr. n.Chr. wird Merida Bischofssitz. Nicht der Beginn eines ruhigen Zeitalters, die Westgoten bekämpfen sich gegenseitig, zwischenzeitlich wird Caceres zerstört.
Deshalb hat es der Nordafrikaner Tariq ibn Ziyad zwischen 711 und 718 auch nicht so schwer, in gut sieben Jahren nicht nur die Extremadura, sondern fast die gesamte iberische Halbinsel zu erobern. Die meisten seiner Krieger stammen aus der ehemaligen römischen Provinz Mauretanien, daher der Name Mauren….
Von den Mauren sind in der Extremadura noch eine Reihe von Festungsruinen sichtbar, u.a. in Trujillo:



Diese werden häufig als Reaktion auf Aufstände, so in Merida, oder als Schutz gegen christliche Eindringlinge aus dem Norden gebaut, so in Trujillo. Auch den „Mauren“ gelingt nicht dauerhaft ein starkes Kalifat von Cordoba, das lange Zeit für einen Aufschwung auch der Städte in der Extremadura gesorgt hatte.
Nach dem Zerfall des Kalifats in 23 kleine Königreiche im Jahre 1031 beginnt die Zeit der Reconquista ( christliche Rückeroberungen ). Der Begriff Extremadura leitet sich aus der Zeit der Reconquista ab, ein Gebiet „extremes del duero“ , „jenseits des Flusses Duero“, das es zurückzuerobern galt. Ab 1240 ist die Reconquista in der Extremadura abgeschlossen, was kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den jetzt christlichen Adelsfamilien nicht ausschließt. ( In den Jahrhunderten zuvor hatten sich beim Einmarsch der Mauren viele westgotische Adelsfamilien schnell zum Islam bekehrt, um ihre Privilegien und Ländereien zu behalten ). Die „katholischen“ Könige Ferdinand V. von Aragon und Isabella von Kastilien führen die Inquisition ein. Jüdisches Leben wird in der Extremadura ausgelöscht. Das Gebiet der Extremadura bleibt Randgebiet an der Grenze zu Portugal. Die örtlichen Adelsfamilien fühlen sich gegenüber den reichen Zentren Spaniens benachteiligt. Kriegerische Auseinandersetzungen sind sie seit Generationen gewohnt. Und das ist vielleicht eine der Erklärungen dafür, dass auffallend viele Konquistadoren, die ihr Glück in der gerade „entdeckten“ Neuen Welt versuchen, aus der Extremadura stammen: Hermann Cortes aus dem Dorf Medellin erobert Mexiko, Pedro de Alvarado aus Badajoz entdeckt Guatemala, Francisco Pizarro und drei seiner Halbbrüder aus Trujillo zerschlagen das Aztekenreich in Peru, usw. Quasi ein fließender Übergang von den Generationen der Reconquistadoren zu der Generation der Konquistadoren….Diejenigen, die lebend aus Amerika zurückkehren, bauen sich in der Unterstadt ihrer Kleinstädte hochherrschaftliche Wohnhäuser und stiften Kirchen. Sie sind noch heute z.B. rund um die plaza mayor in Trujillo und Caceres zu sehen:






Die weitere Geschichte bleibt sehr wechselhaft. Immer wieder ist das Randgebiet Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen, so etwa im 17. Jhr. in einem Krieg zwischen Spanien und Portugal oder auch Anfang des 19. Ihr. im Spanischen Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon. Armutsbedingt kommt es Mitte des 19. Jhr. und Anfang des 20. Jhr. zu Aufständen der Bauern bzw. von Minenarbeitern. Während des dreijährigen Bürgerkrieges in den 30iger Jahren läßt General Franco in der Stierkampfarena in Badajoz Massenerschießungen durchführen. Seit den 50iger Jahren sind etwa 700 000 „Extremenos“ aus sozialen Gründen ausgewandert. In den 80iger Jahren erhält die Extremadura einen vollständigen Autonomiestatus. Aktuell bildet die Extremadura in der PISA-Studie das Schlusslicht in Spanien. Eine aktuelle Bildungsoffensive soll das ändern. In der neuen Förderperiode der EU fließen nun aber auch in die Extremadura ca. 25 % weniger Regionalförderungsgelder als in der Förderperiode zuvor…also Leute, besucht die Extremadura, sorgt für Einnahmen aus der Tourismuswirtschaft und sagt euren Gastgebern, dass ihr nicht nur wegen der reichen Kulturgeschichte sondern auch wegen der traditionellen Weidewirtschaft, den „Dehesas“ und der grandiosen biologischen Vielfalt gekommen seid. Wir können es empfehlen !
P.S.: viele Fakten in diesem Beitrag stammen aus dem DUMONT Reise-Taschenbuch “ Extremadura“ von Jürgen Strohmaier, 2.Auflage 2015
